Psychische Gesundheit- meine Erfahrungen

Hilfen von außen

Ich bin dafür mir immer dann Unterstützung zu suchen, wenn ich sie benötige. Es ist keine Schande andere Menschen zu brauchen, jedoch merkte ich über die Jahre, dass Familie und Freunde mit meiner psychischen Störung bzw. mit meinen Problemen und Schwierigkeiten überfordert waren und ich die Menschen um mich herum nicht belasten wollte. 

 

Zum Glück gibt es in Deutschland ein Auffangnetz, einen Hilfsapparat, den ich dank meines Studiums der Sozialen Arbeit gut kannte. So begann ich eine Therapie, über die Jahre wurden es sogar mehrere (psychologisch fundierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie und Traumatherapie), ging zu unterschiedlichen Selbsthilfegruppen (Themen wie Essstörung, Depression, Angst, Kinder von Alkoholikern), nahm Hilfe vom Ambulanten Betreuten Wohnen an, bekam Unterstützung durch Betreuung (übers Amtsgericht) oder auch Haushaltsdienst (aufgrund einer Pflegestufe) und ließ mich von Beratungsstellen betreuen. 

 

Auch neben hausärztlicher Hilfe gab es Psychiater die mich begleiteten und wenn alles nichts half, blieb immer noch die Psychiatrie zur stationären Stabilisierung. 

Was hilft sind aber nicht nur die Medikamente und die Menschen, die um mich herum sind. Es war meine Entscheidung, dass ich nicht aufgebe, mich, wenn auch nicht jeden Tag, doch zumindest die meiste Zeit über, aufraffe und mein Leben kreativ und selbst bestimmt gestalte. Es gab Phasen, in denen war alles dunkel, es gab Momente, in denen ich vor lauter Weinen einschlief, es gab Tage und vor allem Nächte, die ich verschlief, verträumte, zerdachte. Aber ich erlaubte und erlaube mir auch heute noch nicht aufzugeben. 

 

Und ganz ehrlich: meine Geschichte ist nicht die einer Superheldin. Ich hab sehr viel Leid erlebt, aber das haben andere Menschen auch. Und wenn ich mir die anderen und ihre Leben so anschaue, dann sehe ich auch in vielen diesen Willen zum Leben trotz der Schmerzen. Aber in vielen eben auch nicht und diese Menschen vegetieren dann vor sich hin.

 

Ich möchte dies nicht und ich will mir auch kein Urteil über andere anmaßen, ich kann nur sagen was ich sehe und wie es für mich im Leben war. 

 

Und ich bin dankbar für die Hilfe, dankbar für meine Entscheidung und dankbar für dieses System, obwohl ich sehe, dass mir mein Studium half mir selbst zu helfen und Unterstützung zu finden und viele Menschen diese Kompetenz nicht haben. 

 


Ich wünsche mir, dass der Zugang zum Hilfsapparat niederschwelliger wird

und Anträge nicht so kompliziert bleiben,

sodass mehr Menschen bei Bedarf darauf zurückgreifen können und eine Entlastung bekommen.