Der Schmerz in mir

Ich will nicht die Frau mit dem gebrochenen Herzen sein, aber ich bin es. Und das ist kein Geheimnis, man sieht es mir an. Viele Menschen verstießen mich, ich wurde verletzt. Und am Ende bin ich etwas abgebrühter als andere, bin etwas resignierter und realistischer. Man hat mich darauf hingewiesen, dass ich nicht geliebt werden muss, ich weiß jetzt, dass das eine Gabe ist, ein Privileg, keine Verpflichtung. Und leere Worte nützen mir nichts, ich will es spüren, dass ich lieb gewonnen werde, weiß aber nicht, ob ich es noch spüren kann. Ich entwickle einen Schutzpanzer gegen Gefühle und werde kälter. Weinen kann ich kaum noch. Aber verletzt werden kann ich. Und das passiert mir regelmäßig. Ich nehme es hin in Stille. Und dann schreie ich innerlich. Aber die Fassade bleibt erhalten. Nur durch Worte kann ich ausdrücken wie ich leide, aber kaum jemand kann das noch hören. Also schweige ich und der Schmerz bleibt in mir.

 

Ich war nie das Kind mit dem Lächeln. Immer schon war ich erwachsen. Ich erfüllte Aufgaben, die die Großen zu erledigen haben aber in meiner Umgebung nicht konnten und nicht wollten. Und dann war ich wütend, dass ich das machen muss. Man trichterte mir ein, dass ich stolz auf mich sein kann, weil ich schon so erwachsen bin. Aber Kind war ich nie. Und ich fühlte eine große Leere in mir, etwas war da nicht richtig, mir fehlte Spaß. Doch wie das andere machten verstand ich nicht. Ich selbst war nicht fröhlich, ich war scheu. Man nahm mich nicht ernst und ich mich dafür zu sehr. Aber ich erfüllte eine Funktion in der Familie. Ich war wer. Und nur des Nachts konnte ich mich aus der vorgegebenen Position befreien und mal niemand sein, ich konnte aufschreiben was ich fühlte und sein wollte. Was meine Träume waren und wie weit ich fliegen wollte. Ich wusste ich würde noch viel in meinem Leben erleben und mich befreien. Nur wusste ich nie wie. Aber, dass ich einen Weg finden würde, war mir klar.

 

Ich werde eines Tages eine erwachsene Frau sein mit einer noch uneinsehbaren Zukunft. Vielleicht werde ich verrückte Sachen machen, vielleicht auch einfach nur ruhig sein. Ich weiß es noch nicht. Ob mein Herz je Glück verspüren wird weiß ich nicht. Und, ob ich mich Mama nennen lassen kann auch nicht. Wünsche und Träume habe ich, aber, ob sie sich erfüllen weiß ich nicht. Ich werde vielleicht nicht mehr so verwundet sein, werde mich von den Schocks in meiner Vergangenheit erholt haben und akzeptiert haben, dass das Leben durch mich hindurch fließt und ich nur ich selbst bleiben muss, um zu bestehen. Ich werde sicher nie ein fieser Mensch werden, dazu habe ich ein zu großes Gewissen. Ich werde aber sicher etwas abweisender sein zu Menschen die nicht nett zu mir sind. Vielleicht auch zu denen, die nett sind.

 

 

Und doch, ganz gleich wie ich war, bin oder sein werde, eins verbindet: Ich entwickle mich. Und das in die mir vorgegebene Richtung, die ich nicht beeinflussen kann, wie sehr ich es auch versuche. Und am Ende meines Lebens werde ich ein Resümee ziehen können und dann sehen, ob ich mich gut entwickelt habe. Aber die Aufgabe bleibt das Leben lang bestehen. Entwicklung. Was auch immer das heißt. 

 

Dezember 2012