Bindungsangst überwinden

Ich frage mich ernsthaft wieso so viele Menschen sich auf den falschen Partner einlassen, statt auf den richtigen zu warten. Über die Jahre habe ich so viele kaputte Beziehungen gesehen, die nicht mehr gerettet werden konnten, aber man blieb aus reiner Gewohnheit zusammen. Ich fand stets, man sollte sich jeden Tag aufs Neue füreinander entscheiden, dann sei es echt, dann sei es perfekt. Ich fand auch, man sollte sich miteinander entwickeln, nicht im selben Tempo, aber in die selbe positive Richtung. Ich fand zudem, man solle sich gegenseitig in den persönlichen Zielen und Wünschen unterstützen und sich gemeinsame Ziele setzen, denn dann hätte man eine Chance auf Glück-für sich und zusammen. So wollte ich das halten.

 

Wie ich das sehe, gibt es da nur eine Antwort: Bindungsangst. Paradox, nicht wahr? Wir haben Angst uns zu binden und binden uns dann doch? Wie kann das gehen? Also, es ist im Grunde ganz einfach. Weil die Bindung zu einem Menschen, der uns herausfordert, an unsere Grenzen bringt und auch hilft, zu wachsen, so anstrengend sein kann, wollen wir lieber keinen.

 

Da wir Menschen aber soziale Wesen sind und alle einen Wunsch nach Nähe haben (sei es nun körperlich, spirituell, intellektuell usw.), suchen sie sich jemanden, der ihnen zumindest einen Aspekt davon bietet. Und dann belassen sie es dabei. Sie meinen sie hätten es jetzt geschafft und irren sich so stark. Denn in der Liebe wie im Leben wächst man gerade an den Herausforderungen-Bequemlichkeit ist ein Dolchstoß für jedes Herz. Und dann streiten sie sich, sind frustriert. Und es geht noch weiter-sie tun nichts dagegen. Paartherapien können funktionieren, wenn beide sich darauf einlassen, aber oft würde schon ein offenes Gespräch die Distanz verringern. Leider stelle ich fest, dass aber viele gerade da stecken bleiben. Und wieso?

 

Wie ich das sehe haben sie Angst. Angst herauszufinden, dass sie mehr wollen als sie haben. Dass es nicht reicht nur einen Aspekt in der aktuellen Beziehung zu haben. Sie könnten feststellen, dass ihnen was fehlt. Und, selbst, wenn sie die innere Stimme schreien hören, die ihnen nach jedem Streit sagt: Geh, beende es, such nach der wahren Liebe, dann bekommen sie Angst. Sie bewerten die gewonnene Erkenntnis als bedrohlich, fassen es nicht, dass sie so etwas denken, und ziehen sich zurück ins alte bequeme.

 

Das geht auch Singles so, wenn sie auf einen Partner treffen, den sie sich wünschen. Sie bekommen Angst und das kann zwei Reaktionen auslösen: Flucht oder Angriff. Ich kenne das, glaubt mal.

 

Aber wie kommen wir nun alle da heraus? Wie diese Bindungsangst, wie es die Fachleute bezeichnen, überwinden? Ganz einfach: Bindungsangst ist im Grunde Angst vor Ablehnung. Also ist eine Selbstanalyse angesagt. Stellt euch folgende Fragen: Wieso habe ich Angst vor Ablehnung? Wieso habe ich Angst vor dieser Person? Was waren die Schlüsselaussagen in meinem Leben, die zeigten, wie ablehnungswürdig ich bin? Und wer sagte das?

 

Und dann auf in die Bearbeitung und macht euch klar: Ihr seid wunderbar so wie ihr seid. Und ihr müsst nicht unglücklich in einer Beziehung bleiben die euch nicht gut tut. Ihr müsst nicht alleine bleiben. Öffnet euch vor der Welt, vor den Menschen, vor euch selbst und alles wird gut. Das weiß ich, glaubt mal.

 

 

Izabela Jane Hope